Ich kann meinem Gefühl bei Entscheidungen nicht vertrauen. Ist das ein limitierender Glaubenssatz?

In Momenten der Entscheidungsfindung stehen wir oft vor einem inneren Konflikt zwischen unserem Bauchgefühl und unserem rationalen Verstand. Diese Ambivalenz wird besonders deutlich in Situationen, die von großer Bedeutung sind.

Ich erinnere mich noch genau an einen solchen Moment, der vor vielen, vielen Jahren stattfand, als ich meinem Gefühl noch nicht wirklich vertraute, obwohl es schon da war. Ich stand am Krankenbett meines Mannes. Er lag dort, von den Ärzten betreut, nachdem er in der Herzkardiologie eingeliefert worden war. Auf seinem Nachttisch lagen Tabletten – ich kann mich noch gut an diese Situation erinnern, als ob es erst gestern war. Ein Gefühl wie aus dem Nichts stieg in mir auf: Diese Tabletten tun ihm nicht gut. Ich fragte ihn: „Was sind das für Tabletten?“ Seine Antwort war nicht überraschend und in dieser Situation eher befehlend als vertrauensvoll in meine Worte: „Du wieder mit deinem Gefühl. Du hast ja Medizin studiert.“ Stimmt’s?

Natürlich nicht. Ich habe keine Medizin studiert. Woher nahm ich mir das Recht heraus, über die Entscheidung der Ärzte zu zweifeln und mein Gefühl über dieses erlernte Wissen zu setzen? In mir kamen Zweifel auf.

Mein Mann nahm die Tabletten ein.

Doch kaum Minuten später bestätigte sich mein Gefühl: Er erlitt einen allergischen Schock und musste sofort auf die Intensivstation verlegt werden. In diesem Moment wurde mir mal wieder klar, dass eine Stimme, ein Gefühl in mir richtig war.

Doch zugleich stellte sich mir die Frage: Kann ich wirklich „nur“ meinem Gefühl bei Entscheidungen vertrauen? Und kann ich die Verantwortung für meine Entscheidungen aus einem Nichtwissen übernehmen?

 

Inhaltsverzeichnis

Gefühle sind Schwäche

In eine Unternehmerfamilie hineingeboren, wurde mir von klein auf die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten nahegebracht. Bei jeder Entscheidung stand stets die Analyse im Vordergrund. Das Einbeziehen von Gefühlen oder der Stimme des Herzens war nicht gefragt und schien irrelevant. Obwohl ich im Rückblick auf meine Kindheit mich erinnere, dass ich schon immer eine sensible und empathische Seite hatte, typisch für jemanden wie mich als Krebs geborene. Doch diese sensible, empathische Seite konnte ich nicht ausleben, und ich definierte sie als Schwäche, in einer Welt, in der Leistung primär ihren Platz hatte.

Mit dem Übergang ins Erwachsenenalter lernte ich, diese Seite von mir zu unterdrücken. Ich entwickelte mich zu einer Frau, die sich ausschließlich an der Welt der Zahlen, Daten und Fakten orientierte. Meine Gefühle nahm ich nicht mehr wahr und war bei Entscheidungen nur nach außen orientiert. Der Glaubenssatz war festgelegt: Stärke liegt darin, rationale Entscheidungen zu treffen, ohne von Gefühlen beeinflusst zu werden.

Glaubenssätze Formen unser Leben

Der Glaubenssatz und der Wert Leistungsorientierung waren bereits in meiner Jugend gesetzt: „Ich entscheide auf Basis von Zahlen, Daten, Fakten; Gefühle spielen dabei keine Rolle.“   Doch war dies mein eigener Glaubenssatz und mein persönlicher Wert?

Doch was ist ein Glaubenssatz?

Ein Glaubenssatz ist eine tief verwurzelte Überzeugung, die wir über uns selbst, andere Menschen oder die Welt um uns herum haben. Es ist das, was wir fest glauben, basierend auf unseren Erfahrungen, Erziehung und den Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Diese Überzeugungen formen, wer wir sind, wie wir uns verhalten und wie wir die Welt sehen. Manchmal sind sie offensichtlich, aber oft sind sie auch im Unterbewusstsein verborgen und beeinflussen uns, ohne dass wir es merken. Glaubenssätze können positiv sein und uns stärken, aber sie können auch negativ sein und uns einschränken.

Durch diesen unreflektiert übernommenen Glaubenssatz orientierte sich mein Leben. Die Folge war eine laute nach außen gerichtete Vesna, die sich nach Leistung orientierte, über ihre Grenzen ging, andere Meinungen über ihre eigene setzte und das Wissen anderer, die einen höheren Bildungsgrad als das einzig Richtige ansah und gleichzeitig gab ich mir die Schuld bei Fehlentscheidunge. Ich entfremdete mich von mir selbst, das Leben war schwer und meine Beziehungen schwierig oder nicht erfüllend.

Ich fand immer einen Weg, wenn auch mit großer Anstrengung, aber war dennoch unglücklich und fühlte mich zunehmend kraftlos. Ich war mir meiner selbst nicht mehr bewusst, mein Selbstbewusstsein und damit mein Selbstwert waren kaum vorhanden. Dennoch wirkte ich nach außen hin wie eine selbstsichere Unternehmerin, Frau, Freundin und Mutter, die scheinbar alles immer unter Kontrolle hatte.

Dann kam das "wahre" Leben und ich verlor die Kontrolle

Nach 15 Jahren Ehe erkrankte mein erster Mann und der Sohn meines Vaters schwer an Herzinsuffizienz. Es begann ein tägliches jahrelanges Bangen zwischen Leben und Tod. Trotz des geballten Wissens hochgebildeter Ärzte und des Fortschritts in der Kardiologie konnte mir niemand Sicherheit oder eine garantierte Lösung bieten. Der Mensch ist Körper, Geist und Seele, und das Leben ist viel zu komplex, als dass wir uns allein auf die reine Ebene von Zahlen, Daten und Fakten beziehen könnten. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Erfahrung machte, eine Situation zu erleben, in der es keine garantierte Lösung gab.

Zum ersten Mal seit meiner Kindheit folgte ich meinem Gefühl und beschäftigte mich intensiv mit dem Thema Herzgesundheit und -erkrankungen, Herzweisheit, Transplantation und Tod. In dieser Zeit erwachten mein Bauchgefühl und meine Intuition wieder sehr stark, und oft waren sie das Einzige, was mir Sicherheit gab und diesen schweren Weg gangbar machte. Der Tod kam, obwohl es ein neues Herz gab und die Transplantation gelungen war, und er sich mittlerweile auf der normalen Station befand. Doch es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir in Betracht ziehen. Unser Leben ist komplexer als die reinen Zahlen, Daten und Fakten.

An dem Morgen des Todes gab es einen wundervollen Sonnenaufgang zu sehen. Ich hatte das Gefühl, mein Mann schickte mir dieses Bild, um mir zu sagen, alles ist gut.

Der Tod überrannte mich, und der Boden schien mir unter den Füßen wegzurutschen. Ich hatte keine Kraft und Lust mehr, nur noch zu funktionieren.

Nach diesem Schicksalsschlag traf ich eine kraftvolle Entscheidung, aus meinem Gefühl heraus, noch nicht wissend, wohin mich mein Weg führt. Mir wurde bewusst, wie wertvoll mein eigenes Leben ist.

ICH ERLAUBTE MIR, MEINE TRÄUME DER JUGEND NOCH EINMAL ALS MÖGLICHKEIT ANZUSEHEN.

Wer bin ich wirklich, und was sind meine Werte, nach denen ich leben möchte? Mit welchen Menschen und an welchem Ort möchte ich sein? Ich erkannte, dass ich die Werte meiner Eltern, meiner Lehrer, meines Ehemannes und meiner Umgebung größtenteils ungeprüft und unbewusst übernommen hatte. Ich lebte das Leben auf Basis der Normen anderer.

Wissenschaftlich erwiesen, mit dem Herzen sieht man besser

´Nach dieser schweren Zeit begab mich auf unterschiedliche Ausbildungen, um Methoden kennenzulernen, die mir halfen meinem Gefühl zu vertrauen, die Stimme meines Herzens zu hören, ihr zu folgen und heute meinen Kunden dabei zu helfen, eigene kraftvolle Entscheidungen zu treffen.

Viele Jahre später habe ich den großartigen Arzt und Herzchirurgen Dr. Reinhard Friedl kennengelernt. Sein Buch „Der Takt des Lebens: Warum das Herz unser wichtigstes Organ ist“ empfehle ich jedem. Er bestätigte mir vieles, was ich erforschte und über mich selbst, den Menschen und seine Gefühle sowie seine Intuition herausfand.

In seinem Buch schreibt Dr. Friedl: „Ich hatte bisher immer geglaubt, es gäbe den Herzschlag und Gehirnwellen, und beides hätte nicht viel miteinander zu tun. Nun lernte ich, dass auch das Herz eine Welle machen kann, die das Bewusstsein beeinflusst. Das weise Herz ist nicht nur eine Metapher.“

In einem Interview mit mir verdeutlichte Dr. Friedl, dass es eine emotionale und eine organische Intelligenz gibt. 

Dr. Friedl: „Wenn ich jetzt aber das Herz betrachte und das Gehirn danebenstelle, dann haben diese beiden Organe sehr viele Ähnlichkeiten. Auch das Herz erzeugt ein sehr starkes elektromagnetisches Feld, ähnlich dem Stromfluss oder der Elektrophysiologie des Gehirns. Ich bin der Meinung, dass das Herz eine sehr wichtige Bedeutung hat. Ich sehe keinen Grund, weshalb Bewusstsein nicht auch im Herzen entstehen sollte. Es sind andere Qualitäten von Bewusstsein, mit dem Gehirnbewusstsein kann man z.B. rechnen, Sprachen lerne. Bewusstsein mit dem Gehirn zu erfassen, kann man vielleicht als einen Prozessor betrachten, der lernt. Mit dem Herzen hingegen werden andere Bewusstseinsqualitäten wahrgenommen und transformiert, wie zum Beispiel Gefühl, Freude, Verzeihen, Liebe. Ja, ohne Herz ist Liebe nur ein Gedanke.“

Weiter sagte er: „Für gute, weise und kraftvolle Entscheidungen sollte man das Herz spüren, man sollte es fühlen, wahrnehmen als eine nicht nur zulässige Metapher aus vorwissenschaftlichen Zeiten, sondern als ein Herz-Bewusstsein, ein kardiokognitives Bewusstsein, was die aktuelle Forschung jetzt bewiesen hat. Darin liegt dann auch wahrer Erfolg. Erfolg für mich, für andere Menschen, Erfolg für alle.“

Dr. Friedl wird nicht müde mit der Aussage, dass der kleine Prinz recht hatte und es wissenschaftlich erwiesen ist: Mit dem Herzen sieht man besser.

Ich persönlich wünsche mir mehr Ärzte mit dieser Weisheit.

Emotionen, Bauchgefühl oder Intuition?

Es ist wichtig bei Entscheidungen herauszufinden, ob es sich um eine Emotion, ein Bauchgefühl oder eine Intuition handelt. Es gibt Unterschiede zwischen ihnen, die subtil sein können, aber dennoch wichtig sind, um kraftvolle Entscheidungen zu treffen und nicht aus einem verletzten inneren Kind heraus zu handeln.

Emotionen sind komplexe psychophysiologische Reaktionen auf Ereignisse oder Situationen, die eine Bewertung auslösen. Sie beinhalten körperliche Reaktionen wie z.B. erhöhten Herzschlag, veränderte Atmung und können auch Verhaltensweisen beeinflussen. Emotionen werden oft als kurzlebig und intensiv erlebt.

Emotionen werden oft getriggert, wenn unsere Werte verletzt werden oder wenn wir das Gefühl haben, dass wir unsere Glaubenssätze nicht leben können. Daher ist es wichtig, sich mit unseren eigenen Werten und Glaubenssätzen auseinanderzusetzen, um zu prüfen, ob sie wirklich unsere eigenen sind oder ob wir sie unbewusst und unreflektiert übernommen haben. Indem wir uns bewusst mit unseren Werten und Überzeugungen beschäftigen, können wir besser verstehen, was uns wichtig ist und warum bestimmte Situationen starke emotionale Reaktionen in uns auslösen. Auf diese Weise können wir auch lernen, wie wir in Einklang mit unseren authentischen Werten leben und Entscheidungen treffen können, die unserem wahren Selbst entsprechen.

Das Bauchgefühl bezieht sich auf ein starkes Gefühl oder eine Ahnung, die im Bauchbereich wahrgenommen wird. Es ist eine Art instinktives Gefühl oder eine spontane Reaktion auf eine Situation, die ohne bewusstes Nachdenken entsteht. Das Bauchgefühl kann aufgrund von Erfahrungen, Emotionen oder unbewussten Signalen auftreten und wird oft als eine Art innerer Ratgeber betrachtet.

Die Intuition ist ein breiterer Begriff, der das tiefe Verständnis oder die Einsicht in eine Situation ohne bewusste Überlegung oder logisches Denken beschreibt. Intuition kann aus verschiedenen Quellen stammen, einschließlich Bauchgefühl, aber auch aus einem tieferen inneren Wissen oder einer höheren Bewusstheit. Sie kann uns helfen, Entscheidungen zu treffen, ohne dass wir alle Fakten kennen, und uns in unbekannten Situationen leiten.

Um wirklich kraftvolle Entscheidungen zu treffen, müssen wir uns dieser Unterschiedlichkeit bewusst sein und sie erkennen.

Kann ich meinen Entscheidungen aus dem Gefühl heraus trauen?

Für mich ist die Antwort klar: Ja! Immer wenn ich mich auf mein Bauchgefühl oder meine Intuition verlassen habe, habe ich noch nie eine Entscheidung bereut. Rückblickend erwies sich jede dieser Entscheidungen als richtig, auch wenn zum Zeitpunkt der Entscheidung alles dagegen sprach oder es auf der Ebene von Zahlen, Daten und Fakten keinen Sinn machte. Andererseits bin ich schon ins Schwanken geraten, wenn mein Verstand oder meine Emotionen die Führung übernahmen.

Es ist entscheidend für mich, mich intensiv mit meinen eigenen Werten und Glaubenssätzen auseinanderzusetzen. Ich möchte herausfinden, welche davon mich möglicherweise einschränken und welche mich stärken und meinem wahren Selbst entsprechen. Deshalb empfehle ich, gerade bei wichtigen Entscheidungen:

  • Eine Auszeit an einem anderen Ort zu nehmen, um Abstand zu gewinnen und neue Perspektiven zu erhalten.
  • Nicht alleine zu sein, wenn ich noch nicht unterscheiden kann, ob es sich um eine Emotion, ein Bauchgefühl oder eine Intuition handelt. Wir haben alle unsere blinden Flecken und inneren Saboteure.
  • Herauszufinden, was Herzkohärenz für mich bedeutet und warum sie wichtig ist. Wie kann ich sie in meinem Leben erreichen?
  • Zu verstehen, welchen Einfluss Herzkohärenz auf meine Entscheidungsfindung hat.
  • Zu erkennen, ob es sich bei einer Empfindung um eine Emotion, ein Bauchgefühl oder eine Intuition handelt.
 
Das Ergebnis einer kraftvollen Entscheidung ist nicht nur für mich richtig, sondern dient dem Wohl aller Beteiligten.

Trifft einer dieser Punkte auf dich zu

  •  Du bist UnternehmerIn oder Führungskraft?
  •  Du fühlst Dich kraftlos und ausgebrannt, sehnst dich nach Raum und Zeit nur für dich?
  • Du möchtest eine private oder berufliche Entscheidung fällen?
  • Du möchtest die Stimme deines Herzens hören?
  • Du befindest sich in einer schwierigen Situation in deinem Leben, für die es scheinbar keine Lösung gibt?

    Mein Angebot eine 7-tägige 1:1 Auszeit für UnternehmerInnen und Führungskräfte.

 

Eine Antwort

  1. Danke für diesen sehr persönlichen Artikel. Durch den eigenen Weg, der hier beschrieben wird, wird für mich fassbar und nachvollziehbar, wie wichtig es ist, dem eigenen Bauchgefühl, der Intuition zu vertrauen. Danke auch für die kleine Anleitung am Ende. Herzliche Grüße Sylvia

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